Architektur

Sehr geehrte Besucherinnen und Besucher,

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diese Kirche ist Versammlungsort der Gemeinde. Sie wurde am 10.10.1910 geweiht;  der Architekt war Alexander Tandler. Das Bauwerk ist die erste Stahlbetonkirche der Jugendstilzeit in Dresden, auch wenn das Gebäude keinen typischen Jugendstil zeigt.

Auf einer Schautafel im Vorraum gibt es noch ein Bilder der ursprünglichen Innenraumgestaltung: eine längsorientierte Prozessionskirche, bei der der Altar in der halbrunden Apsis auf einem hohen Treppenpodest unter einem vergoldeten Stuckbaldachin stand. Die Kirchenfenster (im Krieg  beschädigt, ebenso auch das Kirchendach) waren dunkel gewischt und gebrannt. Das Kirchenschiff war dadurch sehr dunkel. Die einfache Kohle-Umluftheizung konnte das 12m hohe Kirchenschiff nicht erwärmen, durch die »Bahnhofshallenakustik« konnte auch ein gut gesprochenes Wort nur schlecht verstanden werden. Diese Nachteile ließen schon einige Jahre an Veränderungen denken.

Durch die neuen Gedanken auf dem II. Vatikanischen Konzil 1963 entschloß sich die Gemeinde 1968, das Kircheninnere vollkommen umzubauen. Vor allen Dingen sollte der Altar wieder Mittelpunkt der Gemeinde werden und ins Zentrum gerückt werden.

Sie beauftragte den Architekten Hubert Paul aus Flöha und den damals in Dresden lebenden Bildhauer Friedrich Press (gest. 1990) für diese große Aufgabe. 1970 begann der Umbau, wobei die staatlichen Behörden der DDR die Bedingung stellten, daß kein Material und keine Baukapazität der volkseigenen Industrie in Anspruch genommen werden dürfe. So nahm die Gemeinde den Umbau vollständig selbst in die Hand und leistete in 8 Jahren 30.000 Baustunden. Kaum vorzustellende Schwierigkeiten mußten bewältigt werden – so war eine der ersten Arbeiten für die neue Holzdecke der Einbau von 13m langen und 1,1t schweren Stahlträgern in 8m Höhe ohne Kran und ohne Baufirma. Die Gestaltung der Decke ergab sich aus einem akustischen Projekt der Technischen Universität Dresden und erlaubt auch ohne Lautsprechanlage eine gute Sprachverständlichkeit. Das Material, vor allem Zement, Ziegel und Holz, wurde uns durch Spenden westlicher Bistümer zur Verfügung gestellt.

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Das Konzept der Gemeinde für die Umgestaltung ging davon aus, daß die Gemeinde mit dem Priester um den Altar versammelt ist. Hierbei wird nicht nur die Versammlung der heutigen Gemeinde gesehen, sondern wir fühlen uns verbunden mit Gemeinde vor und nach uns. Das soll auch das Thema für die Altarraumgestaltung: das Himmlische Jerusalem, die Stadt mit den 12 Toren aus der Apokalypse des Johannes, zum Ausdruck bringen. Die 6 Doppeltore im Altarraum zeigen diese »himmlische Stadt«, eine Stadt, die nicht aus toten Steinen besteht – wir bilden als Gemeinde mit allen Christen und auch nach unserem Tod gemeinsam das himmlische Jerusalem. Deshalb die wesenhafte Gestaltung der Doppeltore aus Ziegeln.

Die Materialwahl: Holz, Beton, gekalkte Ziegel, soll die Haltung der Gemeinde zeigen und beeinflussen – einfach, wahrhaftig, nicht kaschiert. Die Fenster sollen den Raum nach außen nicht schließen, obwohl das damals angestrebte, fast durchsichtige Glas nicht zu bekommen war. Hier liegen künftig sicher noch Gestaltungsmöglichkeiten auch in farblicher Hinsicht.

In der Seitenkapelle wurde der Tabernakel, der Aufbewahrungsort für das Allerheiligste (das Altarsakrament, das eucharistische Brot, die konsekrierten Hostien), aus Betonglas mit durchscheinenden Fugen geklebt, um in der äußeren Materialform die Ziegelstruktur aufzunehmen, und, der höheren Aufgabe entsprechend, transparent gestaltet. Mit der inneren Beleuchtung erübrigt sich das in katholischen Kirchen übliche rote »ewige Licht«, mit dem auf die Anwesenheit Gottes in der Brotgestalt hingewiesen wird. Der Tabernakel kann durchaus auch als die alttestamentliche leuchtende Wolkensäule betrachtet werden, die dem jüdischen Volk in der Wanderung durch die Wüste die Anwesenheit Gottes zeigte. Für uns sollte dieser Tabernakel noch ein anderer Denkanstoß sein: Wollen wir uns nicht immer wieder anstrahlen, anleuchten lassen? Wir sollten mehr danach streben, selbst von innen her zu leuchten, Erleuchtete zu sein.

Der Körper des Gekreuzigten in der Seitenkapelle soll in seiner Zerrissenheit die Grausamkeit des Kreuzestodes Christi genau so zum Ausdruck bringen wie die Tatsache, daß wir alle Hände und Füße für Christus sein sollen, um Christi Erlösungswerk in die Welt zu tragen.

An der rechten vorderen Säule im Kirchenraum ist die Holzplastik der heiligen Maria angebracht. Durch die Ankündigung des Engels erstaunt und erschrocken, sagt sie trotzdem „Ja“ zu der Aufgabe, Mutter Christi zu sein, ist sie durch diese Aufgabe, Mutter Jesu Christi zu sein, aus dem Volk Gottes hervorgehoben. Deshalb rufen wir sie auch heute noch in unseren Nöten und Freuden an: Maria, Mutter Gottes, bitte für uns!

Die kleine Werktagskapelle im hinteren Teil ist nicht vom übrigen Kirchenraum abgeschlossen; durch die großen Fenster sieht man die Sakramentskapelle mit dem Tabernakel und den Altarraum. Der Besucher ist beim stillen Gebet einbezogen in die gesamte Gestaltung.

Der Vorraum ermöglicht auch bei schlechtem und kaltem Wetter Gespräche nach dem Gottesdienst; die Gemeinde kann noch verweilen. Durch den Umbau wurden außerdem mehrere Räume geschaffen, die vorher in der Kirche nicht vorhanden waren und Gemeindeleben ermöglichen. Das war besonders wichtig in der Zeit, in der kirchliche Veranstaltungen ohne besondere Genehmigung nur innerhalb der Kirche gestattet waren. (Beim Bau der Kirche konnte die Gemeinde über die Räume der damaligen katholischen Schule in der benachbarten Leisniger Straße verfügen. Diese Schule wurde 1933 verstaatlicht – die Gemeinde hatte plötzlich keine Versammlungsräume mehr.)

Als beim Umbau die Holzdecke eingebaut wurde, mußte die bis dahin oberhalb dieses Bereichs eingebaute Pfeifenorgel demontiert werden. Das Alter und der Zustand der Orgel gestatteten keinen Neuaufbau. Notgedrungen entschloß sich die Gemeinde damals zu einer elektronischen Orgel, die inzwischen wieder durch ein Pfeifeninstrument der Orgelbaufirma Rieger ersetzt werden konnte.

Gottes Segen sei mit Ihnen – und besuchen Sie uns doch einmal am Sonntag zum Gottesdienst.